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Gelesen: Midnight Lily von Mia Sheridan – Gibt es den Verrat am Leser?

Midnight Lily CoverIch bin leidenschaftlicher Leser von Liebesromanen. Vor ein paar Monaten las ich eine Serie, bei der sich viele Leserinnen nach dem letzten Buch fürchterlich aufregten, daß die Autorin ihre Leser betrogen hat. Die Leserstimmen waren zum Teil echt so was von fanatisch, daß ich dachte, die haben sie nicht mehr alle. Was war geschehen? Ein bereits in trockenen Tüchern scheinendes "Happily ever after", kurz HEA genannt, das in Buch vier oder so passierte, wurde den Lesern im Band sechs wieder weggenommen, und es gab ein ANDERES HEA mit einer anderen Frau! Sowas geht ja offenbar gar nicht. Im Liebesroman muß es sein, wie es sich gehört, einmal zusammen, ist es das bis zum (bitteren?) Ende. Die Leser sind dann völlig ausgeflippt, sie werden nie mehr ein Buch von ihr in die Hand nehmen, Verrat, was fällt ihr ein? etc. pp. Ich hingegen fand das toll. Das erste HEA - jetzt war es ja nur noch ein HFN (Happy for now) - war von Vornherein zum Scheitern verurteilt, das konnte man schon in Buch drei sehen, das "Richtige" passte 100 mal besser. Damals fragte ich mich, was in diese Leser gefahren ist, daß sie sich so aufregten. Jetzt weiß ich es (auch wenn ich es in jenem Fall noch immer nicht nachvollziehen kann). Bisher dachte ich immer, der Autor könne seinen Leser gar nicht verraten, denn es ist ja seine Geschichte, und mit der kann er machen, was er will. Ob es dem Leser gefällt oder nicht, ist eine andere Frage. Falsch! Es gibt tatsächlich den Verrat am Leser, gestern ist er an mir verbrochen worden, und seither ist Mia Sheridan bei mir unten durch. Mia Sheridan hat bisher einen Roman herausgebracht, den es auch auf Deutsch gibt. Er heißt "Die geheime Sprache der Liebe", und ist super romantisch. Für jemand, der gerne schwelgen will und dem leichte Ungereimtheiten in der Geschichte egal sind, eine gute Wahl. Angeblich soll das Buch sogar verfilmt werden, und ich bin mir sicher, die Frauen werden reihenweise dahinsinken - sofern sie den richtigen Darsteller finden. Ich habe das Buch auf englisch gelesen und fand es sehr ansprechend. Mia Sheridan schreibt sehr schön, allerdings kann ich nicht für die übersetzte Version sprechen. Egal, kürzlich hat sie ein neues Buch "Midnight Lily" herausgebracht, das auf Goodreads Lobeshymnen erhielt. "Etwas ganz anderes, ungewöhnlich, unkonventionell, überraschend, geh unvoreingenommen ran...". Das Cover ist sehr, sehr schön, der Klappentext machte mich neugierig. Continue Reading

Gelesen: Und täglich ohne dich von J.S. Wonda

Frau ist in Zeitschleife gefangen und beginnt täglich den immer selben Sonntag. Bis sie auf jemanden trifft, der im selben Tag gefangen ist und sich, zusammen mit ihr, als Einziger an die Geschehnisse vom "Vortag" erinnert. Eine schöne Idee, die viel versprach.
  Bizarr! Das ist das erste Wort, das mir dazu einfällt! Obwohl die Geschichte ziemlich einfach gestrickt ist, lies sie mich verwirrt zurück. Warum? Weil die Charaktere dermaßen widersprüchlich waren, und ihre Emotionen und Reaktionen von einer Minute auf die andere willkürlich wechselten. Gerade eben lächelt er noch süffisant, mokant, such's dir aus!, dann bekommt er einen grausamen Zug um den Mund und plötzlich lächelt er schüchtern. Ja, hallo? Elizas Gefühle gehen von bestimmt zu verwirrt zu kleinlaut innerhalb von drei Zeilen. Sowas kann ich nicht ausstehen. Continue Reading

Gelesen: Entführt – bis du mich liebst von Mila Olsen

Entfuehrt. Bis du mich liebst. Cover."Entführt - bis du mich liebst" lief mir zufällig bei Amazon über den Weg, und ich war vom Cover angetan. Die Geschichte klang einerseits ziemlich auf meiner Linie, denn ich bin ein großer Fan von sog. "cabin romance". Andrerseits mag ich weder Kidnapping-Geschichten, noch Bücher über das Erwachsenwerden. Egal! Anfangs war ich von der Heldin nicht angetan, im Gegenteil. Noch oberflächlicher, gedankenloser und rücksichtsloser konnte man gar nicht sein. Mit dieser vermeintlichen "Heldin" konnte ich erst mal gar nichts anfangen und hoffte inständig, daß sich das ändern würde.
Ich finde, wenn die Welt schon nichts mehr von mir hört, soll sie wenigstens wissen, wo ich bin, denn sonst komme ich mir merkwürdigerweise so vor, als gäbe es mich gar nicht wirklich.
Das Zitat oben ist ein schönes Beispiel für die Verlorenheit, die heute allenthalben herrscht. Getreu nach dem Motto, wenn ich mein Bild des Ortes nicht auf Instagram poste, war ich gar nicht dort, definiert Louisa ihren Wert anhand ihrer Präsenz in den "sozialen" Netzwerken (was ihr später zum Verhängnis wird) und ihrer Beliebtheit bei ihren Freunden. Continue Reading

Gelesen: Drei Minuten mit der Wirklichkeit von Wolfram Fleischhauer

Giulietta, eine junge Ballettänzerin am Anfang ihre Karriere, lernt einen argentinischen Tangostar kennen, und die Beiden verlieben sich auf den ersten Blick. Allerdings verläßt Damián Berlin nach ein paar Monaten Hals über Kopf, nachdem er seine Premierenvorführung vorsätzlich verpatzt, seine Partner unglaublich blamiert und Giuliettas Vater quasi überfällt, fesselt und seinem Schicksal überläßt. Alles, was er hinterläßt, ist eine rätselhafte Nachricht. Giulietta ist wie vor den Kopf geschlagen und will von ihm selbst hören, daß er sie endgültig verlassen hat. Sie reist ihm auf eigene Faust nach Buenos Aires nach und begibt sich auf die Suche nach ihm. Dabei trifft sie Menschen seines früheren Umfeldes und seine entfremdete Familie und gerät in die Machenschaften skrupelloser Politiker, für die viel auf dem Spiel steht. Nicht zuletzt muß sie sich der Geschichte ihres Vaters stellen, die für sie möglicherweise traurige Konsequenzen nach sich zieht. Continue Reading

Gelesen: Das Buch in dem die Welt verschwand von Wolfram Fleischhauer

Das Buch habe ich zufällig in unserem Bücherregal gesehen, als ich auf der Suche nach neuem Lesestoff war. Ich denke, meine Mutter hatte es aufgrund des lokalen Bezugs gekauft, denn die Handlung spielt um ca. 1780 in und um Nürnberg. Der Klappentext ohne den Nürnberg-Bezug hätte mich nicht zum Lesen veranlasst, aber so… Natürlich wurde ich sofort mit kaltem Wasser übergossen, als sich nach ein paar Seiten herausstellt, daß der Protagonist Nicolai Röschlaub nur aufgrund von unerfreulichen Vorfällen überhaupt in Nürnberg gelandet ist (er wurde aus seinem Heimatort wegen seiner fortschrittlichen Anschauungen vertrieben) und die Stadt, wie auch die Franken – ein hinterwäldlerisches, unfreundliches Volk – hasst, wie die Pest. Continue Reading